BIKE FESTIVAL PLESSA

Bike Festival Plessa

Aus Leidenschaft für´s Fahrrad

Fotos: Lars Ressler, Elisa-Marie Lehman

 

Jedes Mal wenn ich den alten Bau Container auf meiner Heimat BMX Strecke betrete und mir der Geruch von altem Reifengummi in die Nase fährt, erinnere ich mich lebhaft an das Jahr 1997. Ich war 12 Jahre alt und die Hälfte meiner Grundschulklasse, egal ob Mädchen oder Jungen, tummelten sich jeden Mittwoch nachmittag auf diesem versteckten Platz im Wald hinter den Bahnschienen. Wir drehen Runden auf unseren 20“ BMX Rädern, rannten um die Strecke, spielten verstecken, krönten den schnellsten, den langsamsten, den der am höchsten springen konnte. Wir liebten die Freiheit auf unserem riesigen Abenteuer Spielplatz mit den vielen spaßigen Sandhügeln. Leider zogen nicht bei allen Kindern die Eltern mit, wenn es darum ging den Nachwuchs zu Wettkämpfen zu fahren oder Geld in die Ausrüstung zu investieren. Oft waren auch die Kinder selbst nicht motiviert genug, gerade als wir keinen Trainer mehr hatten. BMX wurde ein paar Jahre später zum ersten Mal olympisch und einige Türen öffneten sich; also zog es mich mit 18 Jahren in die Sportschule nach Cottbus um aus meinem Hobby, meiner Leidenschaft, mehr zu machen. Jetzt bin ich Profi Mountainbikerin und verdanke den sportlich-spielerischen Tagen auf der BMX Strecke aus meiner Kindheit heute meinen aufregenden Lebensstil.

Ich habe Fahrrädern so viel in meinem Leben zu verdanken, all die tollen Plätze an die ich reisen konnte, die Emotionen von Sieg und Niederlage, Freunde auf der ganzen Welt und unendliche Geschichten von diversen Trips und Wettkämpfen. Ich komme aus dem Brandenburgischen Dorf Plessa, was durch sein Industrie-Denkmal „Das Kraftwerk“ und den Braunkohleabbau bekannt ist. Weiter entfernt von hochalpinem Gelände, schroffen Bergen und grünen Almen kann man kaum  sein. Doch durch das Mountainbiken wurden die Berge zu meinem zweiten zu Hause und gleichzeitig meinem Arbeitsplatz. Meine kleine heile Welt ist immer noch die BMX Strecke in Plessa und so entwickelte sich in letzter Zeit dieser Gedanke oder besser – ein konkreter Traum. Ich wollte einen Teil der tollen Erfahrungen, die ich in den vielen Jahren durch das Mountainbiken erleben durfte, hier nach Plessa in meine Heimat holen und dem Sport und der Region etwas zurück geben. 

Durch aufgeschütteten Abraum von der Kohle-Produktion ergibt sich hinter unserer BMX Strecke ein Höhenprofil mit circa 15 Metern. Ja: fünfzehn! Genug um eine 1 km lange Mountainbike Strecke zu bauen, die gespickt ist mit allen Schikanen und Hindernissen, die ich auch in den Alpen zum fahren habe. Enge Spitzkehren, Absätze, rutschige Wurzeln, Anliegerkurven, kleine und größere Sprünge. Es gibt sogar 3 verschiedene Runden – klein, mittel und groß – die mehrfach umfahren auch physisch echt zur Herausforderung werden. Zuletzt haben wir noch einen Pumptrack aus dem Boden gestampft, was ohne vorheriges Wissen insgesamt anderthalb Jahre gedauert hat. Da lacht sich der moderne Pumptrack Bauer kaputt, der so eine asphaltierte Mini-Strecke in einem Tag hinstellt. Wir taten das in Eigenregie und haben insgesamt drei mal komplett umbauen müssen und es sind viel Schweiß und sogar Tränen gelaufen. Alles in ehrenamtlicher Arbeit von einer kleine Gruppe Vereinsmitgliedern und einigen tatkräftigen externen Helfern. Am Ende wurde die Zeit knapp, denn wir haben uns den 1. September 2018 als das Datum unserer ersten Bike Festivals gesetzt und bis August war der Pumptrack noch ein bockiger Sandhaufen. 

Ich nehme mir 4 Wochen Auszeit aus meinem Profi Mountainbiker Dasein und sage meine geplante Reise zum kanadischen Crankworx nach Whistler ab. Die Organisation des Bike Festivals frisst wesentlich mehr Zeit und Nerven wie Anfangs gedacht und so langsam schleicht sich etwas Missmut und Angst ein, dass das Ganz in die Hose gehen könnte. Ich habe unter meinen Sponsoren glücklicherweise Geldgeber für die Kosten der Veranstaltung gefunden, die ich nun natürlich nicht enttäuschen will. Das Bike Festival Plessa wird finanziell von Paul Lange/ Shimano, der DEHA Elektronikgesellschaft, TREK, der Sparkasse Elbe-Elster und dem Landkreis unterstützt. Von einer Reihe anderer Firmen haben wir Sachpreise für die Tombola und Siegerehrungen bekommen. Bis zur letzten Wochen finden wir keine Möglichkeit zur Zeitmessung unseres Rennens und die Dürreperiode vor Ort macht es unmöglich den Pumptrack zu befestigen. Das sind nur zwei der Probleme, die mir und dem kleinen Orga Team Bauchschmerzen bereiten. Trotzdem überwiegt der Wille hier etwas auf die Beine zu Stellen für den Sport, den Nachwuchs und die Region. 

Am Samstag, den 1. September fahre ich mit gemischten Gefühlen zu unserem Vereinsgelände. Jetzt sieht unser geheimer Rückzugsort von vor 20 Jahren irgendwie ganz anders aus: Eine lange Allee neu gepflanzter Bäume säumt die Zufahrt zum Event-Gelände. Wo früher nach Kohle gebaggert wurde gibt es jetzt Platz ohne Ende und den Luxus etwas daraus machen zu dürfen. Es steht ein riesiger Truck für den DJ am Pumptrack, einige Aussteller und wir als Verein haben Zelte aufgebaut, das Catering ist da und es scheint angerichtet. Nun fehlen nur noch die Fahrer und Besucher … und die kommen und zwar zahlreich und den ganzen Tag hinweg. Wir bieten ein Training mit Timo Pritzel an, was total ausgebucht ist. Beim Pumptrack hofften wir optimistisch auf 50 Fahrer und das wurde am Ende sogar noch übertroffen. Der Kids Parcours ist den ganzen Tag voller Minis auf Laufrädern und Kinderrädern. Viele neugierige Leute kommen aus unserer Region und es entsteht ein buntes und fröhliches Fest rund ums Fahrrad. Ich bin völlig eingespannt und kann die Atmosphäre gar nicht richtig genießen aber die vielen glücklichen Gesichter und angeregten Gespräche der Besucher und Fahrer, Aussteller und Helfer bleiben mir sehr präsent im Gedächtnis. Wenn ich mir jetzt im Nachhinein die Bilder anschaue vom BMX Rennen, vom Pumptrack Race unter Flutlicht, der Ehrung unseres Vereinsvorsitzenden und meines Vaters und den viele Besuchern, die da waren, dann bekomme ich Gänsehaut.

Ich hatte eine sehr optimistische Vision, denn ich dachte wenn man nur genug will kann man Alles erreichen. Wenn man genug will, kann man ein Bike Festival im absoluten Flachland machen, wo sich die Mountainbiker an wenigen Händen abzählen lassen. Das wird nun wohl nicht mehr lange so bleiben, denn schon jetzt haben wir stark steigende Zahlen von Kindern im Training und eine gut aufgefrischte Vereinskasse aus der wir jetzt neue Bikes für alle Größen von Kindern kaufen und auch bald wieder einen Trainer engagieren können. Vielleicht bin ich jetzt wieder etwas zu optimistisch aber ich hoffe ich konnte auch ein kleines Zeichen und einen Anstoß an weitere motivierte Leute senden, die gerne etwas für den Nachwuchs und den Sport tun wollen. Anstatt darauf zu warten, dass die Veränderung zu uns kommt sollten wir jetzt los gehen und sie uns holen. 

Ich stehe jedem gerne für Fragen und Anregungen zur Verfügung und freue mich die Mountainbike Community und den Trailbau wachsen zu sehen.

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